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„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24)

Diese Jahreslosung scheint kein Zufall zu sein. Dem Anschein nach jeder (und jetzt schon wieder ich) meint, er müsste irgendwas unbedingt öffentlich sagen – verkünden – missionieren. Wie es wirklich ist… Was endlich mal gesagt werden muss, denn sonst tut es ja (wieder) keiner… Was die Ungläubigen zur Ordnung und die Glaubenden zur Räson bringt… Was keiner wahrhaben will, weil es so wehtut – und ja, weil es doch alles so schrecklich easy und einfach ist, bleibt doch alle mal locker… Und dann kommen wieder die Christen mit dieser uralten Patchwork-Schrift aus zig redaktionellen Überarbeitungen, Übersetzungsfehlern, verschollenen Originalen mit Jesus? Achja schon vergessen, wo fing das denn alles mit der Verkündigung an?

Unglaube gehört aber zum Glauben wie nichts Anderes – ganz wertfrei. Zum einen gibt es eben Menschen, die glauben an „Nichts“ oder „Was Anderes“ oder „Irgendwas (da oben)“. Zum Andern aber die vielen Zweifler im Glauben, und die, die zweifelsfrei gar nicht erst fragen, sondern die glauben, was man ihnen erzählt hat. Nicht eine Frage an Gott, wie das denn wohl gemeint ist, was da steht, denn das weiß doch jedes Kind, das wissen die Schriftgelehrten. Ach, hat nicht Jesus mit denen – aber nein, das waren ja jüdische Schriftgelehrten, und die christlichen, die sind – vielleicht genau so drauf, dass manche etwas überheblich sind, so wie damals eine Menge Juden mitgekriegt haben, dass was mit den Schriftgelehrten nicht stimmt.

Glauben heißt ja im Grunde nichts Anderes als Vertrauen. Und wer hat das heute noch? Ich schon, denn ich vertraue auf mein Gedächtnis, damit ich alle Wege, die ich nicht vorher sehe, zügig gehen kann und nur schauen muss, was im Weg ist, wo die Ampel oder die nächste Stolperfalle ist. Ich vertraue den vielen menschen, die es alle total gut meinen, wenn sie mich irgendwo hinzerren, manchmal sagen selbst deutsche Muttersprachler nur „Vorsicht!“, „Hier!“, und dann, wenn sie verschwunden sind, merke ich, es war eine richtig gute Tat – nur nicht für mich. Und ich vertraue auf mein neues Backup-System, besonders, wenn kurz vorher meine Festplatte meint, sie könnte sich schon in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Ich vertraue auf Freunde, dass sie mich ehrlich kritisieren, aber dass sie mich auch in Ruhe lassen, obwohl es gerade tausend Gründe gibt, noch dies und jenes zu wollen. Und dann vertraue ich im Chaos verschiedener Glaubenswege ausgerechnet auf diesen Jesus, diesen Gott? Unglaublich.

Doch ich glaube auch an ganz viele Dinge ganz und gar nicht. Dass mir Gott wirklich den richtigen Job sucht, indem ich mich wie sonst bewerbe und ins Gebet gehe, dass ich was Besseres als „Hauptsache Job“ und ein bisschen Geld bekommen kann. Und ich frag mich auch, woran die glauben sollen, die in Unterdrückung leben und immer was von einer Befreiung hören. Besonders, wenn alles, bloß gleich die nächsten „Sicherheitskräfte“ losziehen, die für den ehrwürdigen Staatsführer alles machen, weil sie auch alles, was sie persönlich brauchen, bekommen. Und ich glaube auch irgendwie nicht an diese heilen Familien, die immer alles gelöst kriegen, wenn ich es schon ganz ohne Geschwister schaffe, neben einer wirklich großartigen Kindheit so viele Dinge auseinanderzubasteln, die mir dann irgendwie doch nicht gut getan haben. Und wenn ich dann mal wieder nicht schlafen kann, glaube ich auch nicht daran, dass mir Gott beim Einschlafen hilft – hab ich dann meistens schon wieder über’s Denken vergessen.

Aber ich glaube, es kann anders gehen. Wie, das weiß ich nicht, aber darum heißt es ja auch Glauben, Vertrauen und Zuversicht. Nicht an Politiker, an irgendwelches Gerede, aber an das Gesamtkunstwerk des Lebens – oh, dazu gehört das alles ja auch manchmal. Ich glaube, das viel mehr geht als das, was wir zu Jahresanfang allein in deutschen Schlagzeilen über Deutschland und die Welt erfahren durften. Wir können mehr Frieden, mehr Vertrauen. Denn irgendwie sind wir ja entstanden, irgendwie war da ein Plan, dass wir alle da sind und uns nicht gegenseitig ausfiltern, als könnte ein Mensch das besser als Tiere und Pflanzen.

Und Hilfe im Unglauben ist auch eine meiner Motivationen, jetzt an dieser Stelle weiterzubloggen.

Von Druify

Geboren um zu leben. Gefallen, um aufzustehen.